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Design-Inspiration: Warum ein Architekt Filme statt Magazine empfiehlt

Design- und Lifestyle-Magazine wie Dwell und Wallpaper, Pinterest- oder Houzz-Boards sowie lokale Immobilienanzeigen sind tolle Einstiege für Inspiration. Doch diese statischen Bilder erfassen nur einen Aspekt des Raums: Oft wird dieselbe Requisite neu arrangiert oder ein Raum aus verschiedenen Winkeln gezeigt, was Projekte komplexer wirken lässt – etwa eine einfache Arbeitsplatte, die zwei Räume teilt.

Das alltägliche Geschirr-Chaos wird am Fototag durch apfelgrünes Vintage-Porzellan von Russell Wright ersetzt. Weitwinkelobjektive lassen Räume größer erscheinen. Während seriöse Magazine diese Tricks meiden, täuschen Computerrenderings, Immobilienfotos und Social-Media-Bilder häufig.

Die Insider-Wahrheit hinter Zeitschriftenfotos

Als Architekt behandle ich Bilder aus Designmagazinen und Instagram wie Vogue-Modelle oder Influencer-Fotos: Sie sind gestylt, produziert und gefiltert, um zu faszinieren.

Der reale Raum (das "Modell") ähnelt der Zeitschriftenversion, weist aber Schönheitsfehler auf – Unordnung und Alltagsmöbel wie die Couch aus dem Keller Ihrer Mutter. Influencer und Magazine übernehmen Modemagazine und Immobilienwerbung: Inszenierte Bilder als Vision eines stilvollen Lebens.

Es herrscht eine Fixierung auf fotogene Räume – Architekten sind da keine Ausnahme. Wir lieben dramatische, portfolio-taugliche Designs. Doch manche Räume lassen sich nicht in Standbildern einfangen. Aus meiner Praxis: Professionelle Fotografen verleihen Projekten eine ätherische Aura.

Fotografen bevorzugen helle, bewölkte Tage für natürliches Licht. Die Häuser sind wunderschön, doch Helligkeit wird optimiert, Unordnung kaschiert, Winkel maximiert. Kabel verschwinden wie durch Zauberhand. Weiße Räume sind einfach zu fotografieren – sie wirken hell und luftig. Dunkle Töne mit tiefer Beleuchtung sind knifflig, daher rar in Printmedien.

Professionelle Fotos sind Inszenierungen. Suchen Sie Alternativen

Das mindert nicht ihren Reiz – genießen Sie sie mit Vorsicht. Ihr Raum soll zum Leben einladen, nicht für 2D-Vignetten optimiert sein. Wir existieren in 3D, Ihr Zuhause ebenso.

Filme bieten bessere Raum-Einblicke: Geschichten entfalten sich dynamisch, Räume dienen als Kulisse – nicht als Star. Sie zeigen Echtzeit-Bewegungen: Flache Wände werden zu dramatischen Perspektiven, Objekte schieben sich ins Sichtfeld, Licht spielt mit Winkeln. Tageszeiten verändern alles.

Schauen Sie Alltagsfilme oder Serien wie Modern Family oder Parenthood – keine Design-Klassiker wie Diamonds Are Forever oder Gattaca, es sei denn, Sie planen ein High-Tech-Versteck. Filme stilisieren ebenfalls, doch näher an der Realität als Standfotos.

Noch besser: Besuchen Sie Freunde mit gelungenen Häusern, beobachten Sie, was funktioniert. In großen Räumen sollte Architektur unauffällig wirken – spürbar nur durch Komfort, Licht und Gesellschaft.

Adaptiert aus einem Auszug von House to Home: Designing Your Space for the Way You Live von Devi Dutta-Chowdhury (Roost Books, ein Imprint von Shambhala Publications © 2020).