Mit knappen Kunstmaterialien und viel Zeit zu Hause kanalisierte die abstrakte Künstlerin Sharman Mann ihre Kreativität in das Vorhandene. „Ich hatte nur alte Farben und Betonwände zur Verfügung. So entstand ein Wandbild in meinem Zimmer und ein Minibrunnen im Garten“, erklärt Sharman. Sie ist nicht allein: Viele Künstler machten aus Wänden, Schränken und Gärten Leinwände – ein kreativer und therapeutischer Akt während der Pandemie. KUNST ALS THERAPIE
„Die ersten zwei bis drei Monate waren hart. Ohne Projekte und Materialien konnte ich kaum arbeiten. Aufträge vor dem Lockdown hingen fest – mal wegen fehlender Farben, mal wegen Transportproblemen. Es war stressig“, berichtet Sharman. Das Malen zu Hause half ihr enorm, Spannungen abzubauen.
Akshata Ghule, erfahrene Wandmalerin und Yogini, malt seit sechs Jahren. „Ich wollte Frieden, Schutz und Weisheit auf meiner Schlafzimmerwand. Ein Elefant mit UV-Farben wurde mein Yoga-Ort – voller positiver Energie, die wir gerade brauchten.“
DAS AUßEN INS HAUS HOLEN
Siddhant Nigam, Tätowierer und Landschaftsmaler, vermisste seine Café-Sessions. „Früher nippte ich am Kaffee und fing Momente ein. Nun habe ich eine Landschaft auf meiner weißen Wand geschaffen. So fühle ich mich wenigstens draußen“, lacht der 31-Jährige.
Vaishnavi Vasudevan Iyengar, Wandmalerin seit vier Jahren, verpasste ihrem Zimmer eine Frischzellenkur: „Ich kenne Street Art – diesmal zu Hause. Eine Wand prangt in bunten Blättern, die andere evoziert schneeflockenbedeckte Kiefern einer Winternacht.“
Inzwischen schuf Kasturi Divakar ein starkes Statement in ihrem Schlafzimmer: „Es zeigt den Menschen als Teil der Natur – vielfältig, suchend, destruktiv abhängig von der Erde.“