Als Ernährungsexpertin mit langjähriger Praxis beantworte ich die Frage einer Leserin: Nutrition-Diva-Fan Liz schreibt:
"Was ist pflanzliches Glycerin und ist es sicher? Ich habe gehört, dass einige Diabetiker es als Zuckerersatz verwenden."
Bei der Zubereitung eines Rezepts mit Vanilleextrakt fiel mir auf, dass der alkoholfreie Extrakt einen süßen Geschmack hatte. Im Gegensatz zu alkoholbasierten Varianten, die neutral schmecken, basiert dieser auf Glycerin. Das weckte meine Neugier: Wie wirkt Glycerin auf den Körper? Ist es kalorienfrei und ein gesunder Zuckerersatz?
Was ist Glycerin?
Glycerin, auch Glycerol genannt, wird aus Fetten – tierisch oder pflanzlich – gewonnen und ist ein Nebenprodukt der Seifenherstellung. Die Verseifung, bei der Fett mit Lauge reagiert, hat sich seit 4.000 Jahren kaum verändert. Das Ergebnis: Seife und Glycerin.
Dieses Nebenprodukt hat vielfältige Eigenschaften. Mit Salpetersäure ergibt es Nitroglycerin – medizinisch gegen Brustschmerzen oder industriell als Sprengstoff. Glycerin selbst bindet Feuchtigkeit wie ein Schwamm: In Hautpflegeprodukten hält es die Haut hydratisiert. Als Zäpfchen zieht es Wasser in den Darm und wirkt abführend.
Glycerin als Süßungsmittel
Glycerin zählt zu den Polyolen, wie Zuckeralkohole (Sorbit, Erythrit). Es schmeckt süß (ca. 60 % so intensiv wie Zucker), wird aber nicht wie Zucker verstoffwechselt und beeinflusst den Blutzucker nicht. Deshalb eignet es sich für Diabetiker- und Low-Carb-Produkte. Zudem hält es Lebensmittel feucht und dient als Konservierungsmittel.
Ist Glycerin sicher?
Wie bei vielen Stoffen können Allergien oder Überdosierungen Probleme verursachen. In üblichen Mengen als Süßstoff oder Konservierungsstoff gilt es jedoch als sicher (FDA-zugelassen). Wichtig: Es ist nicht kalorienfrei – mit 4,3 kcal/g sogar kalorienreicher als Zucker (4 kcal/g). Bei gleicher Süße braucht man mehr davon. Hohe Dosen wirken abführend, ähnlich wie Zuckeralkohole.
Fazit: Glycerin schont den Blutzucker, spart aber keine Kalorien. In Maßen als Zuckerersatz akzeptabel, doch keine Basis für gesunde Ernährung. Priorisieren Sie Vollwertkost: Frisches Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Nüsse und Vollkorn. Verarbeitete Produkte und Süßes nur sparsam – unabhängig von der Süßung.
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