Vor ein paar Monaten haben wir in unserem Podcast besprochen, wie man das Vertrauen in einer Beziehung wiederherstellt. Doch was tun, wenn das Misstrauen über einen Partner hinausgeht und sich auf alle Menschen ausdehnt? Niemandem zu vertrauen schützt zwar vor Verletzungen und Verrat, lässt Sie aber isoliert und einsam zurück.
Wenn das bei Ihnen so ist, sind Sie nicht allein. Die Angst vor Vertrauen ist so weit verbreitet, dass sie eine eigene Phobie hat: Pistanthrophobie. Ein gewichtiger Name für ein großes Problem.
Wie entsteht das? Wie verliert man den Glauben an die Menschheit – und wie kann man ihn zurückgewinnen?
Vor etwa 40 Jahren stellten Forscher der Künstlichen Intelligenz die Hypothese auf, dass Menschen 'Skripte' für bestimmte Erfahrungen haben. In einem Restaurant läuft das Skript so: Speisekarte anschauen, bestellen, essen, bezahlen, gehen. Sie wissen, was Sie erwartet.
Viele Menschen lernen in der Kindheit ein Skript für das Leben: Ich werde verletzt oder wütend, jemand tröstet mich, ich fühle mich besser. Andere lernen jedoch: Ich werde verletzt, jemand gibt mir die Schuld oder wird wütend, ich fühle mich schlechter. Oder: Ich bin verletzt, niemand merkt es, ich bin allein. Solche Skripte machen es schwer, anderen zu vertrauen oder sich ihnen zu öffnen. Es ist logisch – wenn Unterstützung die Ausnahme ist, statt die Regel, wäre es naiv, darauf zu bauen. Man passt sich an ständige Verletzungen an.
Manchmal ist das Kindheitsskript zunächst gesund, wird dann aber durch Trauma erschüttert – wie Betrug durch den Partner des Lebens, Verrat durch einen Vertrauten oder Verlassenwerden nach Verletzlichkeit. Auch hier schreibt man das Skript um.
In beiden Fällen entsteht ein Glaubenssystem, das Sie von der Welt trennt. Überzeugungen wie: 'Wenn ich vertraue, wird man mein wahres Ich sehen und ablehnen.' Oder: 'Wenn ich jemanden liebe, geht er weg.' 'Vertrauen bedeutet Verrat.' Sie glauben vielleicht: 'Niemandem kann man trauen, nur sich selbst.'
Ich täusche mich nicht: Diese Überzeugungen zu ändern und Vertrauen aufzubauen ist herausfordernd. Am Anfang fühlt es sich wie eine intellektuelle Übung an – Sie wissen kopfseitig, dass den meisten Menschen zu vertrauen ist, spüren es aber nicht im Herzen. Der Sprung vom Kopf zum Herzen erfordert einen Vertrauensvorschuss, ähnlich der Teambuilding-Übung, bei der Sie rückwärts fallen und hoffen, aufgefangen zu werden.
Wie wagen Sie diesen Vorschuss im echten Leben? Wie vertrauen Sie wieder tief im Inneren? Probieren Sie diese 8 bewährten Strategien aus.
Vertrauen in Menschen in 8 Schritten wiederaufbauen
- Bleiben Sie an einem Ort.
- Erden Sie sich in einer Routine.
- Geben Sie ein wenig und beobachten Sie die Reaktion.
- Schmieden Sie Pläne für die Zukunft.
- Vertrauen Sie einem Tier.
- Seien Sie selbst vertrauenswürdig.
- Suchen Sie aktiv nach vertrauenswürdigem Verhalten.
- Entwickeln Sie die Überzeugung, dass Sie vertrauenswürdige Menschen verdienen.
Lassen Sie uns jede Strategie genauer betrachten.
1. Bleiben Sie an einem Ort
Sich ständig durchs Land oder die Welt zu bewegen ist ein akzeptierter Weg, Bindungen zu vermeiden. Um Vertrauen aufzubauen, schlagen Sie Wurzeln. Es fühlt sich zunächst ungewohnt an, der Drang zu fliehen ist stark – widerstehen Sie ihm. Mit Wurzeln können Sie sich verzweigen und die Umgebung kennenlernen – und vertrauen.
2. Erden Sie sich in einer Routine
Sobald Sie bleiben, etablieren Sie einen Rhythmus: Derselbe Sportkurs, dieselben Leute im Hundepark, dasselbe Café sonntags. Routine bedeutet Wiederholung – dieselben Gesichter immer wieder sehen ist der erste Baustein für Vertrauen.
3. Geben Sie ein wenig und sehen Sie, was Sie bekommen
Bei wiederholten Begegnungen: Teilen Sie etwas Persönliches und beobachten Sie. Meist bekommen Sie Positives zurück. Oder bitten Sie um Hilfe – einen Nachbarn um einen Gefallen, einen Freund um Rat, einen Fremden um die Dose im Supermarkt.
Bedürfnisse äußern und erfüllt sehen füllt den Vertrauens-Eimer tropfenweise. Trauma-Experten nennen es 'Wiedereinbindung ins Gemeinschaftsleben' – der erste Vertrauensvorschuss in die Menschheit.
4. Pläne für die Zukunft schmieden
Trauma erschüttert nicht nur das Vertrauen in Menschen, sondern auch in die Zukunft. Es erzeugt Hoffnungslosigkeit, ein Gefühl einer verkürzten Zukunft, besonders bei intentionalem Schaden wie Mobbing oder Missbrauch.
Bauen Sie parallel Vertrauen in eine sinnvolle Zukunft auf: Planen Sie Wochen, Monate, Jahre voraus. Sparen Sie für den Ruhestand, erstellen Sie eine Bucket-List, setzen Sie Ziele. Verhalten vor Gefühl stellen – so holt das Gefühl auf.
5. Vertrauen Sie einem Tier
Eine Studie im Journal of Research in Personality mit 165 Haustierbesitzern zeigte: Wer sein Tier bei sich hatte oder daran dachte, setzte mehr Ziele und fühlte sich sicherer beim Erreichen. Tiere bieten eine sichere Basis – pure Vertrauensquelle.
6. Seien Sie selbst vertrauenswürdig
Vertrauenswürdiges Verhalten bei sich zu sehen, schärft den Blick dafür bei anderen. Betreuen Sie jemanden, halten Sie Versprechen, trösten Sie. Wenn andere Ihnen vertrauen, merken Sie: Vertrauen ist möglich.
7. Suchen Sie aktiv nach vertrauenswürdigem Verhalten
Menschen mit intaktem Vertrauen erkennen Gutes leichter. Trainieren Sie sich: Führen Sie eine 'Vertrauensliste' – notieren Sie, wenn jemand Wort hält oder hilft. Von kleinen Gesten bis großen Unterstützungen. So wird Vertrauen sichtbar.
8. Entwickeln Sie die Überzeugung, dass Sie vertrauenswürdige Menschen verdienen
Misstrauen geht oft mit Selbstzweifeln einher: 'Niemand ist vertrauenswürdig' und 'Ich verdiene es nicht Besseres'. Fordern Sie das heraus. Ändern Sie Verhalten zuerst – 'Fake it till you make it'. Handeln Sie wie jemand, der Gutes verdient. Das baut Glauben auf.
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Haftungsausschluss
Alle Inhalte dienen nur zu Informationszwecken. Sie ersetzen nicht die Beratung durch einen qualifizierten Psychologen. Wenden Sie sich bei individuellen Problemen an Fachleute.