Es ist jedem schon passiert: Die Lieblingstasse oder die elegante Porzellanvase fällt zu Boden und zerbricht. Als erfahrene Handwerks- und Materialexperten zeigen wir Ihnen, wie Sie Porzellan professionell reparieren – langlebig und sicher.
Porzellan, ein hochwertiges Material ähnlich der Keramik, erreichte Europa erst im frühen 18. Jahrhundert. Es entsteht aus einer Mischung von Kaolin, einer speziellen Porzellanerde, Quarz und Feldspat, die im Ofen gebrannt wird. Leider ist es empfindlich. Bevor Sie kleben: Überlegen Sie, ob das reparierte Stück noch für Speisen oder Getränke genutzt werden soll. Bei Unsicherheit eignet es sich ideal als dekorativer Übertopf oder Stiftehalter.
Wichtige Tipps für das Kleben von Porzellan
Für ein nahtloses Ergebnis sind gründliche Vorbereitung und Präzision entscheidend. Folgen Sie diesen Schritten:
- Sammeln Sie alle Scherben ein, um eine exakte Rekonstruktion zu ermöglichen.
- Legen Sie die Teile auf ein weiches Tuch.
- Reinigen Sie die Bruchkanten gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel, um Staub, Schmutz oder alte Klebereste zu entfernen – für optimale Haftung.
- Testen Sie probeweise das Zusammensetzen.
Beim Kleben:
- Tragen Sie Kleber sparsam auf beide Kanten auf und fixieren Sie Stück für Stück. Lassen Sie jeden Teil andrucken, bevor Sie fortfahren.
- Vermeiden Sie Überdosierung, um spätere Reinigung zu umgehen.
- Nutzen Sie Holzstäbchen, Zahnstocher oder einen feinen Pinsel für präzise Anwendung.
- Lassen Sie das Werk mindestens 24 Stunden trocknen.
- Spülen Sie künftig nur per Hand – Spülmaschinenhitze kann die Naht lösen.
Arten von Klebstoffen im Überblick
Bei gebrochenem Porzellan stellt sich die Frage nach dem passenden Kleber. Viele werben mit "lösemittelfrei" – aber was steckt wirklich drin? Kleber unterteilen sich in Löstmittel- und Reaktionskleber.
Löstmittelkleber
- Die Haftung entsteht durch Verdunstung organischer Lösemittel (z. B. VOC), die den Kleber flüssig halten und aushärten lassen.
- Sie können Augen und Hals reizen. Löstmittelarme Varianten ersetzen diese oft durch Wasser (physikalisches Abbinden), greifen aber zu alternativen Konservierungsstoffen zurück.
Reaktionskleber
Härtung durch chemische Reaktion – meist lösemittelfrei. Einkomponenten (z. B. Sekundenkleber mit Luftfeuchtigkeit) oder Zweikomponenten (Harz + Härter).
Achten Sie auf problematische Stoffe:
- Isothiazolinone (z. B. CIT, MIT) – reizend, allergieauslösend, von Öko-Test kritisiert.
- Formaldehyd-Verbindungen – Schleimhautreizend, krebserregend.
- Caprolactam – haut- und schleimhautreizend.
- Halogenorganische Verbindungen – umweltbelastend.
- Epoxidharze mit Bisphenol A – hormonell wirksam, krebserregend.
Bei sachgemäßer Handhabung ist das Risiko gering. Lagern und nutzen Sie fern von Kindern.
Umweltfreundliche Kleber für Porzellan
Empfehlenswert von Ökonorm:
Bastelleim Multi Coll (ab 3 Jahren, 50 ml, 4,95 €):
- Für Papier, Glas, Stein, Holz etc. (nicht explizit Porzellan).
- Wässrige PVA-Dispersion mit Propylencarbonat – ungiftig, lösemittelfrei, glutenfrei.
- Vor Trocknung abwaschbar; danach wasserfest und transparent.
Haft- und Alleskleber (50 ml, 5,70 €):
- Nasskleben für Porzellan geeignet.
- Acrylestercopolymerisat-Basis – schadstofffrei, glutenfrei, Öko-Test "gut".
Selbermachen: Siehe Kleber selber machen: Ungiftiger Bastel-Klebstoff für Kinder.
Empfohlene Kleber für Porzellan: Sicher und effektiv?
Reaktionskleber sind ideal für präzise Reparaturen – lösemittelfrei.
- UHU Sekundenkleber: Ethylcyanacrylat-Basis, Porzellan-tauglich, blitzschnell. Bei Lüftung unbedenklich.
- UHU Zweikomponenten-Kleber: Epoxidharz mit Bisphenol A – hormonell wirksam, umweltbelastend.
Spezialprodukte wie UHU Porzellan- & Keramik-Kleber enthalten Lösemittel.
Kinderkleber sind milder, trocknen langsamer. Beste Wahl: Sekundenkleber (lösemittelfrei). Prüfen Sie immer Inhaltsstoffe und Datenblätter online.