Besteck, Wanduhren, Schnellkochtöpfe, Keramiksets und Blumensträuße zählen zu den klassischen Hochzeitsgeschenken bei indischen Feiern. Sie sind so üblich, dass frisch verheiratete Paare oft Dutzende davon erhalten. Um solche Überschüsse zu vermeiden, setzen zunehmend millennial Paare auf Hochzeitsgeschenklisten. Dieses aus dem Westen stammende Konzept, das in Indien noch neu ist, erlaubt Paaren, gewünschte Artikel vorab zu listen – Gäste kaufen sie einfach über Online-Links.„Bei der Hochzeit meiner älteren Schwester landeten mindestens 20 gleiche Stücke bei uns, von Vasen über Besteck bis zu Schnellkochtöpfen. Viele lagern heute noch ungenutzt“, erzählt IT-Expertin Tanya Sinha lachend. Bei ihrer eigenen Hochzeit im Dezember wählte sie daher eine Geschenkliste.

Aditi Mehta, Mitbegründerin der indischen Plattform Wishtry für Hochzeitsgeschenke, erklärt: „In Indien gilt es als unhöflich, nach Geschenken zu fragen. Doch wir übersehen den enormen Abfall durch opulente Hochzeiten – Geschenke machen ein Viertel davon aus. Gäste bringen Blumensträuße für 300 bis 500 Rupien mit, die am nächsten Tag entsorgt werden. Bei 100 Gästen entsteht so unnötige Verschwendung.“
Plattformen für Geschenklisten bieten Sachgeschenke oder Barausgaben von 500 bis 50.000 € und mehr. „Paare können klarstellen, dass sie kein Bargeld ablehnen, und es für Flitterwochen oder Wunschkäufe nutzen“, sagt Kanika Subbaih, Gründerin der Wedding-Wunschzettel-Website. „Junge Paare wollen kein sperriges Mobiliar, sondern passende Items für ihren dynamischen Alltag. Solche Dienste erleichtern das Leben erheblich.“

Dr. Supriya Menon und Ehemann Harishankar, kürzlich in Mumbai eingezogen, starteten bei null: „Wir wollten keine unnötige Unordnung. Stattdessen listeten wir Nützliches auf und teilten Links mit Freunden und Familie. Das sparte allen Zeit und Mühe.“ Viele Plattformen übernehmen zudem die Lieferung.
Trotz Vorteilen braucht es Zeit, bis sich die Idee durchsetzt. Shaili Parekh aus Mumbai riet ihrem Bruder 2020 zu einer Liste – nach eigenen Erfahrungen mit Duplikaten. „Inder sind skeptisch gegenüber 'Geschenkebitten'. Ältere Generationen sehen jedes Geschenk als Segen. Doch ich überzeugte die Familie schließlich.“

Der Trend wächst: Promis wie Priyanka Chopra mit Nick Jonas oder Deepika Padukone und Ranveer Singh nutzten Listen. Aditi Mehta: „Besonders seit zwei Jahren boomt es. Letztes Jahr 50 Listen in der Saison, diesmal schon über 200 – mehr als doppelt so viele.“
Illustration von: Dheeraj Dixit