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Schlammfarbe: Vorteile, Nachteile und Anwendung

Schlammfarben sind ein Klassiker in Schweden und werden auch in Deutschland immer beliebter. Wir erklären dir, was Schlammfarbe überhaupt ist und was du über den Gebrauch wissen musst.

Ihren Ursprung hat die Schlammfarbe in Schweden, daher wird sie auch Schwedenfarbe genannt. Du kennst sicher das Bild von all den rot angemalten Häuschen in Schweden – das ist die rote Version der Schlammfarbe. Insgesamt gibt es vom Holzschutzmittel etwa 15 verschiedene Farbtöne mit verschiedenen Farbpigmenten.

Konkret kommt die Farbe aus Falun. Dort wurde in einer Kupfermine im 16. Jahrhundert aus dem Abraum (der Gesteinsschicht oberhalb der eigentlich geförderten Nutzmineralien) ein rotes Farbpigment gewonnen. Damit ist die Schlammfarbe das wohl älteste Holzschutzmittel weltweit. Die roten Farbpigmente für die originale Schwedenfarbe kommen auch heute noch aus Abraumhalden in Falun.

Woraus besteht Schlammfarbe?

Wieso heißt die Farbe Schlammfarbe? Den Abraum der Kupfermine mischten die Faluner:innen mit Wasser und natürlichen Bindemitteln, sodass es an Schlamm erinnert. 

Das sind die Bestandteile der Schlammfarbe:

  • natürliche Farbpigmente
  • Leinöl
  • Wasser
  • Weizenmehl
  • Eisenvitriol (Konservierungsmittel)
  • Kieselsäure
  • nur auf einige Farben zutreffend: Spuren von Blei

Die Vorteile der Schlammfarbe

Diese positiven Gründe sprechen für die Schlammfarbe: 

  1. Beim Streichen wirst du bemerken, dass Schlammfarbe im Vergleich zu herkömmlichen, modernen Anstrichfarben relativ dick und zäh ist. Das schützt das Holz besonders gut. 
  2. Trotz der dicken Schicht ist Diffusion immer noch möglich. Das bedeutet, dass Wasserdampf und Feuchtigkeit immer noch durch die Farbe herein und heraus können. Die Farbe lässt also eine offenporige Schicht zu. 
  3. Die Farbe schützt Holz gut vor Witterung, sofern sie nicht dauerhaft dem Wetter trotzen muss, wie es beispielsweise bei einem Dach der Fall wäre. Der gute Schutz liegt am hohen Kieselsäureanteil der Erde.
  4. Ein Anstrich hält somit sehr lange. Frühestens musst du nach sechs Jahren erneut streichen – es kann aber auch sein, dass du mit dem nächsten Anstrich bis zu 15 Jahre warten kannst. 
  5. Die in der Farbe enthaltenen Kupfersalze und -verbindungen sind giftig: Das gilt auch für Schädlinge, die daher nicht an das Holz gehen.

Die Nachteile der Schlammfarbe

Gegen die Nutzung von Schlammfarbe sprechen folgende Punkte: 

  1. Ist das gestrichene Holz längere Zeit verschiedenen starken Wetterbedingungen ausgesetzt, wäscht sie sich aus. 
  2. Hast du einmal eine Fläche mit Schlammfarbe bestrichen, kommt auch nur wieder Schlammfarbe für die Renovierung infrage.
  3. Du kannst mit der Schlammfarbe nicht alle Flächen streichen. Für folgende Flächen kannst du Schwedenfarbe nicht verwenden:
  • Harthölzer: Wenn du Hartholz nutzen möchtest, setze es erst für einige Zeit unbehandelt Wetter aus, bis es grau ist. Dadurch wird es offener und die Farbe kann sich besser im Holz verteilen. Ansonsten haftet es nicht gut.
  • Glatt gehobelte Flächen: Auch gehobeltes Holz kannst du zunächst etwa ein Jahr dem Wetter aussetzen. Das führt dazu, dass sich die Poren öffnen und die Farbe besser eindringen kann. Sonst kann es zu Haftungsproblemen kommen.
  • Harzartige Hölzer wie zum Beispiel Kiefer, Lärche oder Douglasie: Dort kann es zu Haftungsproblemen der Farbe kommen. Wenn du dennoch dieses Holz benutzen möchtest, ist es ratsam, es ein Jahr lang unbehandelt dem Wetter auszusetzen, damit die Harze austreten können.
  • Hölzer, die vorher mit konventionellen Farben gestrichen wurden: Sonst haftet die Schlammfarbe nicht. 
  • Kontaktflächen, zum Beispiel: Türen, Fenster, Spielgeräte: Die Schlammfarbe blättert nicht ab, sondern sie wäscht sich ab. Das führt dazu, dass du etwas Farbe an den Händen haben könntest, wenn du die gestrichenen Flächen berührst.
  • Dächer oder Zäune, weil sie der direkten Witterung ausgesetzt sind.

Was musst du bei der Anwendung von Schlammfarbe beachten?

  • Das Holz muss sägerau sein. Glattes oder gehobeltes Holz solltest du nicht mit Schlammfarbe streichen. Dein Holz sollte unbehandelt sein, da die Farbe sonst nicht haftet.
  • Am besten eignet sich weiches Holz, zum Beispiel Fichtenholz, Tannenholz oder Kiefernholz.
    • Beachte: Kiefernholz ist als weiches Holz zwar für die Nutzung von Schlammfarbe zu empfehlen, jedoch hat die Kiefer auch einen hohen Harzgehalt, was zu den beschriebenen Haftungsproblemen führen kann.
  • Schlammfarben musst du ohne Grundierer auftragen. Dazu kannst du einen Pinsel oder Quast (Schlammfarbpinsel) verwenden. Bei Neuanstrichen empfehlen sich zwei Anstriche. 
  • Wenn du merkst, dass ein neuer Anstrich an der Zeit ist, bürste mit einer Drahtbürste (gibt es zum Beispiel bei **Avocadostore) die Fläche einmal ab.
  • Beginne erst dann mit deinem neuen Schlammfarbenanstrich. Denk daran: Wenn du einmal eine Fläche mit Schlammfarbe gestrichen hast, kommt am besten auch nur wieder diese Art von Farbe infrage. Lediglich reine Leinölfarben oder Silikonalkydfarben könntest du zum Überstreichen von Schlammfarbe nutzen. Dafür muss die Schlammfarbe vorher aber gut vom Holz abgebürstet werden. 
  • Beachte: Es handelt sich um eine abwaschende Farbe. Daher ist es ganz normal, wenn du etwas Farbpigment an deiner Hand hast, wenn du über die mit Schlammfarbe gestrichene Holzfläche gehst.

Du willst loslegen? Hier bekommst du die Farben:

  • Das Original aus Falun („Falu Rödfärg„) kannst du beispielsweise online im schwedischen Farbenhandel kaufen. Dort gibt es Farben mit und ohne Blei. 
  • Farben, die komplett frei von Schwermetallen und Blei sind, findest du online bei biofarben.