Aus langjähriger Praxis mit mediterranen Pflanzen ist die Vermehrung von Oleander durch Stecklinge die schnellste und sicherste Variante. Die robusten Triebe wachsen rasch an und verleihen Ihrer Terrasse oder dem Balkon ein blühendes, mediterranes Ambiente. Mit unseren praxisnahen Anleitungen gelingt es auch Anfängern mühelos.
Oleander vermehren mit Stecklingen
Die Vermehrung mit Stecklingen bietet die höchsten Erfolgschancen. Im Vergleich dazu ist die Aussaat mit Samen in unseren Klimazonen oft unzuverlässig. Stecklinge benötigen viel Licht und Wärme, weshalb die Austriebszeit von Mai bis August ideal ist.
Für den Einstieg nehmen Sie fünf bis sechs frische Triebe. So gehen Sie schrittweise vor:
- Schneiden Sie frische Triebe mit etwa 20 Zentimeter Länge ab – am besten mit einem scharfen, sauberen Messer. Wählen Sie Triebe ohne Blüten, aber mit einer voll entwickelten, gegabelten Krone. Wichtig: Der Oleandersaft ist für Menschen und Tiere giftig; vermeiden Sie Kontakt mit Schleimhäuten.
- Entfernen Sie die Blätter an der unteren Hälfte der Triebe.
- Stellen Sie die Triebe entweder vorübergehend in ein Wasserglas oder pflanzen Sie sie direkt in Aussaaterde. Bei ausreichend Platz auf einer sonnigen Fensterbank eignen sich Wassergläser hervorragend. Der Standort muss warm und hell sein.
- Wechseln Sie das Wasser regelmäßig. Oleander toleriert kalkhaltiges Wasser ausgezeichnet, passend zu ihrem natürlichen Kalkboden in der Mittelmeerregion.
- Sobald Wurzeln im Wasser sichtbar sind, pflanzen Sie die Stecklinge in Töpfe mit Aussaaterde um.
- Halten Sie die Erde feucht, bis die Wurzeln vollständig entwickelt sind.
Im ersten Winter schützen Sie die jungen Pflanzen vor Kälte an einem warmen, hellen Fensterplatz. Im Folgefrühling umpflanzen Sie sie in torffreie Blumenerde – idealerweise ton- oder sandhaltige Gartenerde. Ab dem zweiten Jahr blüht der Oleander üppig.
Profi-Tipp: Pflanzen Sie drei bis vier Stecklinge gemeinsam in einen Topf, für ein buschiges, volles Erscheinungsbild.
Oleander mit Samen vermehren
Die Vermehrung per Samen erfordert Geduld und etwas Glück. Die Samen reifen in bohnenförmigen Samenkapseln, die braun werden und aufplatzen. Sammeln Sie die kleinen Samen sorgfältig.
- Legen Sie die Samen in eine Saatschale mit Aussaaterde und drücken Sie sie leicht an. Als Lichtkeimer brauchen sie keine Erdbedeckung.
- Stellen Sie die Schale hell und sonnig bei konstant 18 Grad. Konstante Feuchtigkeit und Wärme sind essenziell.
- Decken Sie die Schale optional mit Glas ab, um die Feuchtigkeit zu halten.
- Warten Sie ab: Nicht jeder Samen keimt. Erfolgreiche Keimlinge blühen erst nach drei bis vier Jahren.
Alte Oleander durch Teilung vermehren
Große, alte Oleander lassen sich durch Teilung verjüngen und vermehren. So erhalten Sie schlanke Exemplare, die Sie bei Bedarf auslichten können. Die Arbeit am dichten Wurzelballen erfordert etwas Kraft.
Bei mehrstämmigen Pflanzen ist es einfacher. Vorgehen:
- Legen Sie den Oleander seitlich und teilen Sie den Wurzelballen mit einem Spaten – Stämme schonen.
- Pflanzen Sie die Teile neu ein und gießen Sie gründlich.
- Die frische Erde liefert Nährstoffe; Düngen Sie nicht mit Kompost. Mischen Sie bei Bedarf Sand oder Holzkohle ein.
Oleander vermehren durch Veredelung
Natürlich ausladend wachsen Oleander hoch – schwach wachsende Gebirgsoleander eignen sich perfekt zur Veredelung auf Hochstämme. Die Technik ist unkomplizierter als gedacht:
- Bei Besenstielstärke des Hochstamms ritzen Sie an der Spitze ein bis drei Kerben ein.
- Setzen Sie angespitzte Stecklinge oder Edelreiser ein und verschließen Sie mit fungizidem Wundverschluss. Oleander sind pilzanfällig in feuchtem Klima.