Aus langjähriger Praxis im eigenen Gemüsegarten wissen wir: Der Einstieg beginnt mit Saatgut. Entscheiden Sie sich für gekauftes Saatgut oder die eigene Ernte? Wir vergleichen Vor- und Nachteile und zeigen, wie Sie Saatgut professionell selbst herstellen.
Saatgut kaufen vs. selbst ziehen: Der praxisnahe Vergleich
Im Frühling lockt der Garten zur Aussaat. Viele greifen zum gekauften Saatgut im Handel. Doch selbst gewonnene Samen sind eine nachhaltige Alternative. Basierend auf unserer Expertise und Empfehlungen von NABU und Bioland-Siegeln beleuchten wir beide Wege.
Beim Kauf von Saatgut wählen Sie unbedingt Bio-Saatgut. Konventionelles Saatgut ist häufig gentechnisch verändert, chemisch behandelt und oft Hybridsaatgut, das nur im ersten Jahr hoch ertragreich ist.
Saatgut selbst herstellen ermöglicht den Einsatz samenfester Sorten. Diese erzeugen identische Nachkommen und lassen sich natürlich vermehren. Zusätzliche Pluspunkte: Weniger Verpackungsmüll, Kostenersparnis – gutes Saatgut ist teuer – und Beitrag zur Biodiversität.
Selbst gezogene Samen sind oft besser an lokale Böden und Klima angepasst, wachsen langsamer und entwickeln intensivere Aromen, wie der NABU betont. Samenfestes Saatgut schützt alte Sorten und fördert Vielfalt.
Der Einstieg erfordert passende Ausgangspflanzen – keine Hybride. Kaufen Sie in Onlineshops oder Baumärkten mit Bioland-, Naturland- oder Demeter-Siegel, die Hybride ausschließen. Saalguttauschbörsen oder Nachbarschaftstausch sind ideale Quellen.
Saatgut selbst gewinnen: Schritt-für-Schritt bei Tomaten
Die Vermehrung braucht Übung, starten Sie mit Einjährigen wie Tomaten:
- Wählen Sie Samen aus den untersten Früchten – geringstes Kreuzungsrisiko durch Insekten.
- Ernten Sie bei voller Reife.
- Legen Sie Kerne in ein Glas mit Wasser und Zucker für zwei Tage: Gärung löst die Gallerte.
- Abseihen, waschen, zwei bis drei Wochen trocknen lassen.
- Lagern Sie kühl und dunkel, idealerweise in der Gefriertruhe.
Bei richtiger Lagerung haltbar bis zu sechs Jahre.
Saatgut aus Kräutern, Blumen und mehr gewinnen
Aus Kräutern, Blumen und Pflücksalat geht es einfach:
- Nehmen Sie späte Blüten.
- Lassen Sie sie verblühen und vertrocknen.
- Trocknen Sie die Köpfe.
- Trennen Sie Samen, lagern Sie luftdicht, kühl und dunkel.
Bei Paprika: Reife Früchte entkernen und trocknen. Vermeiden Sie Kreuzungen mit Chilis durch Teebeutel über der Blüte bis Fruchtansatz.
Für Hokkaido-Kürbisse:
- Monatlich nachreifen lassen.
- Kerne herauslöffeln, waschen, zwei Tage trocknen (bis bruchfest).
- Kühl oder gefroren lagern.
Wichtig: Voll töcknen, um Schimmel zu verhindern. Bei Karotten, Kopfsalat (zweijährig) oder Zucchini (Kreuzungsrisiko mit Zierkürbissen) mehr Erfahrung notwendig.
Saatgut optimal lagern
Keimfähigkeit hängt von Sorte und Lagerung ab – ein bis sechs Jahre:
- Kräuter (Schnittlauch, Dill): 1–2 Jahre
- Tomaten, Zwiebeln, Petersilie: 2–3 Jahre
- Karotten, Erbsen, Bohnen, Sellerie, Kopfsalat: 3 Jahre
- Spinat, Rettich, Rote Bete, Zucchini: bis 5 Jahre
- Gurke, Kürbis: bis 6 Jahre
Tipps für Lagerung:
- Konstante 10°C oder kälter, keine Schwankungen.
- Trocken, dunkel, luftdicht beschriftet.
Beim Kauf: Mindesthaltbarkeitsdatum gilt bei optimaler Lagerung – oft nicht im Handel gewährleistet.
Keimprobe: Ist das Saatgut noch gut?
Machen Sie eine Keimprobe:
- Auszählen und säen.
- Bei unter 50% Keimrate nach 2–4 Wochen entsorgen.
Für Vertiefung: DVD „Saatgut ist Gemeingut„ (32 Sorten), „Handbuch Samengärtnerei„ oder Infoblätter von Kulturpflanzen Nutztiere Vielfalt e.V.